Vorgestellt: NPO-Blogparade und #npochat

Vor einiger Zeit bin ich über Christian Henner-Fehr auf die NPO-Blogparade aufmerksam geworden. Was genau die NPO-Blogparade ist, wird im dazugehörigen Blog (http://npoblogparade.wordpress.com) erklärt.

Idee
Viele Blogger steuern Beiträge zu einer Frage bei, die sich mit dem Nonprofit-Sektor befasst. Wichtig: die Frage sollte möglichst sektorübergreifend formuliert sein, damit Blogger aus den unterschiedlichen NPO-Bereichen (Kultur, Soziales, Umwelt, Gesundheit, Bildung usw..) einen Beitrag schreiben können.

Nutzen
1. Die Blogparade führt zu Synergieeffekten. Indem (hoffentlich) Blogger aus unterschiedlichen Nonprofit-Bereichen teilnehmen, weitet sich der Horizont und das Wissen über den Sektor als Ganzes.
2. Blogs vernetzen sich
3. Die Diskussion über den NPO-Sektor rückt stärker ins Rampenlicht
4. Es ergeben sich für die teilnehmenden BloggerInnen neue Kontakte und Ideen

Besonders interessant fand im den im Nachgang einer solchen Blogparade stattfindenden #npochat. Christian Henner-Fehr und Hannes Jähnert haben sich die Mühe gemacht und mir ein paar Fragen zum #npochat beantwortet. Für die Blogparade  “Wie überzeuge ich meinen Chef?” (Ankündigung, Auswertung) habe ich ausserdem sämtliche Tweets des dazugehörigen #npochats festgehalten, um sich vom Ergebnis ein Bild machen zu können.

Steffen Peschel (@steffenster): Was genau ist der #npochat?

Christian Henner-Fehr (@kulturmanager): Der #npochat verfolgt das Ziel, die Themen der jeweiligen NPO-Blogparade zu diskutieren und den Kreis derer, die darüber diskutieren, zu erweitern. Bei der Frage, welches Tool wir dafür verwenden sollen, entschieden wir uns für Twitter, weil sich hier der Diskussionsraum sehr schön öffnen lässt und eigentlich alle die Möglichkeit haben, spontan in die Diskussion einzusteigen.

Hannes Jähnert (@foulder): Ja genau! Mit dem #npochat soll die Diskussion der jeweiligen Runde der NPO-Blogparade geöffnet werden. Eigentlich ist die Diskussion ja schon offen, weil es ‘lediglich’ einen Beitrag zur aktuellen Runde braucht, um sich in die Diskussion der NPO-Blogparade einzuschalten. Offenbar fällt es aber vielen leichter sich in eine informelle Diskussion mit kurzen Beiträgen auf Twitter einzumischen als einen mehr oder weniger langen Blogpost zur jeweilige Frage zu schreiben. Somit ist der #npochat schließlich auch eine konsequente Umsetzung der Forderung doch bitte dort zu kommunizieren, wo die Stakeholder sind.

Steffen Peschel (@steffenster): Wie oft fand er bereits statt und wer beteiligt sich am #npochat?

Christian Henner-Fehr (@kulturmanager): Wie oft er stattfand, kann ich leider nicht mehr sagen, aber so seit ca. einem Jahr gehört er eigentlich zu jeder NPO-Blogparade und schließt die jeweilige Runde ab. Damit ist auch klar, dass sich in erster Linie die daran beteiligen, die einen Beitrag verfasst haben und damit mit der Materie vertraut sind. Darüber hinaus klinken sich aber immer wieder Interessierte ein, die im Vorfeld davon erfahren oder zufällig während des Chats darauf stoßen.

Hannes Jähnert (@foulder): Jetzt musste ich doch glatt mal nachschauen: Den #npochat gibt es seit der 12. Runde der NPO-Blogparade. Die erste Runde, die mit einem Chat auf Twitter abgeschlossen wurde, hatte Katrin Kiefer zum Thema “Implementierung von Social Media in NPOs” gehostet. Seit dem gab es meines Wissens nur einen Aussetzer — wir zählen also sechs #npochats. Was die Teilnehmenden anbelangt sind es natürlich vor allem die, die sich schon per Blogbeitrag an der Runde beteiligt haben. Es gibt aber auch einige, die keinen Beitrag schreiben und ‘nur’ den #npochat nutzen um sich zum jeweiligen Thema zu äußern.

Steffen Peschel (@steffenster): Welche Erwartungen setzt ihr in diese Art der Unterhaltung und was ist das besondere daran?

Christian Henner-Fehr (@kulturmanager): Für mich steht da vor allem die Lust am Experiment im Vordergrund. Kann es gelingen, sich mit Hilfe von maximal 140 Zeichen so auszudrücken, dass eine Diskussion in Gang kommt? Zweitens ist so ein #npochat immer auch die Gelegenheit, den Kontakt mit anderen zu verstärken bzw. neue Leute kennen zu lernen. Der Networking-Aspekt spielt also auch eine wichtige Rolle. Drittens geht es aber natürlich auch um den Austausch von Argumenten, also die inhaltliche Dimension.

Hannes Jähnert (@foulder): Häufig finde ich die inhaltliche Dimension gar nicht so spannend. Was in 140 Zeichen mitgeteilt werden kann, hält sich ja wirklich auch in Grenzen. Angesichts der Leute, die sich eben nicht an der vorangegangenen Runde der NPO-Blogparade beteiligten, finde es aber spannend, dass sich die Erkenntnisse aus den einzelnen Beiträgen auch während des #npochat immer wieder finden. Man merkt einfach, dass die Community der Interessierten auf einer Wellenlänge ist und das ist m.E. auch ein wesentlicher Faktor, warum beim #npochat immer wieder eine Diskussion zustande kommt.

Steffen Peschel (@steffenster): Wo hat der #npochat seine Grenzen, bezogen auf den Austausch?

Christian Henner-Fehr (@kulturmanager): Auf Grund der offenen Struktur von Twitter und der Begrenztheit auf 140 Zeichen ist es einerseits schwierig, dass die Diskussion eine entsprechende Tiefe bekommt. Auf der anderen Seite ist es nicht ganz einfach, den verschiedenen Diskussionssträngen zu folgen. Aber das kann auch reizvoll sein.

Hannes Jähnert (@foulder): Eigentlich kommt der #npochat schon durch das Medium Micro-Blog an seine Grenzen. Twitter ist kein Chat — eher ein Marketingtool auf Steroiden. Normaler Weise bläst man seine Message ins ‘Twitterverse’ und hofft auf Resonanz, die man aber nur mitbekommt, wenn man mit dem “@” angeschrieben wird. Beim #npochat ist das anders. Man kann sich auch einklinken ohne angesprochen zu sein. Die Diskussion ist die Message. Das wir uns eben “lautstark” über ein Thema unterhalten, was im Social Web nur so ein Randthema ist, irritiert auch ab und zu — und das soll es auch.

Steffen Peschel (@steffenster): Ist die Herangehensweise auch für andere Themen nutzbar? Gibt es weitere Beispiele? Was sollte man beachten?

Christian Henner-Fehr (@kulturmanager): Der #npochat lässt sich in meinen Augen auf alle Themenbereiche übertragen. Die @KronbergAcademy hat eine Zeit lang Interviews mit ihren StudentInnen geführt bzw. sie befragen lassen. Ich hatte selbst einmal das Vergnügen, Fragen stellen zu dürfen und fand so ein Interview recht spannend.

Zu beachten ist, dass sich genügend daran beteiligen, wobei das “genügend” nicht unbedingt die große Masse sein muss. Theoretisch können schon Gespräche zu viert allen Teilnehmern was bringen. Auf alle Fälle können solche Ideen sehr viel Spaß machen.

Hannes Jähnert (@foulder): Sicherlich ist der ‘Missbrauch’ von Social Media Tools — wie es der #npochat m.E. ist — auch für andere Themen sinnvoll. Wenn aber die Diskussion, das Experiment oder die schlichte Präsenz die eigentliche Message ist, sollte man kreativ sein. Uns (oder zumindest mir) geht es ja darum die anderen zu wecken. Auf ein Thema aufmerksam zu machen, dass nicht so breit bedient wird wie Lifecoaching oder weiß der Geier, was alles über Twitter vermarktet wird. Wer das auch machen will, sollte m.E. darauf achten, seine Zielgruppe auch gezielt zu irritieren. Ein Twitchat ist da vielleicht eine Möglichkeit, sicherlich gibt es aber auch noch andere.

Steffen Peschel (@steffenster): Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung meiner Fragen.

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